Kündigung wegen privater Nacktbilder? Warum Sexting Dich Deinen Job kosten kann.
Augen auf und Hirn an beim Sexting! Ansonsten kann die eigene Karriere bereits vorbei sein bevor die Probezeit um ist.

Augen auf und Hirn an beim Sexting! Ansonsten kann die eigene Karriere bereits vorbei sein bevor die Probezeit um ist.


Stuart: Du hast im Rahmen Deiner Bachelorarbeit im Fach Intermedia eine Onlinestudie zum Thema “Sextingverhalten Jugendlicher in Deutschland” durchgeführt, knapp 3.000 Jugendliche haben an dieser teilgenommen. Ergebnis: 61,4 % der befragten Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren beteiligen sich einmal im Jahr am Sexting. Hat Dich das Ergebnis überrascht oder hast Du vielleicht sogar mit mehr gerechnet?


Andreas: Überrascht bin ich nicht, ich sehe meine These eher bestätigt. In der Vorrecherche habe ich Infos erhalten, wie, dass sich Menschen nicht am Sexting beteiligen weil die MMS-Gebühren zu hoch seien. Sprich, die damals aktuellsten Umfragen sind vor dem Whatsapp-Zeitalter entstanden. Zusätzlich gab es nur US-Studien, hier ist die Rechtslage aber so streng, dass ich mir schon gedacht habe, dass in Deutschland ein anderer Umgang mit diesem Thema herrscht.  


Stuart: Was privat mit einem Nackt-Selfie beginnt, taucht auch gern mal öffentlich im Netz oder bei Arbeitskollegen auf. Mitunter werden sie weitergeschickt oder landen Worst Case eben beim Arbeitgeber. Berufliche Folgen, egal ob für den Berufsstart oder die Karriere bleiben nicht aus, oder?


Andreas: Der öffentliche Aufschrei über einen hüllenlosen Fußballer, der sich nackt abgefilmt hat oder über eine „Oben ohne“-Model-Kandidatin zeigen, dass Sexting noch lange nicht zur Normalität gehört… schon gar nicht im Job. Das Risiko mit illegal veröffentlichtem Sexting-Material wird all zu oft unterschätzt. Tumblr ist hierfür ein gutes Beispiel, hier werden gerne mal Sexting-Bilder veröffentlicht, die man dann nur ganz schwer wieder entfernt bekommt.  Dem gegenüber steht eine 2014 veröffentlichte Studie aus Österreich. Die besagt, dass 47 % der Personaler*innen Internetrecherche nutzen, um mehr über die Bewerber*innen zu erfahren. Dabei wurden, um einen Einblick in die Persönlichkeit der Bewerber*innen zu erhalten, in 51 % der Fälle nach deren eigenen Postings gesucht, 36 % gaben an, sich über Postings von dritten über die Person zu informieren und auch Fotos/Videos und freizügige Fotos/Videos werden in 33 % bzw. 20 % der Fällen von den 299 befragten Personaler*innen recherchiert. Am Ende hatten dann durchschnittlich 29 % der Recherchen Auswirkungen auf den Bewerbungsprozess.


Stuart: Sind Sexting-Opfer nicht selbst schuld? 


Andreas: Als vor einiger Zeit Nacktbilder von Lena Meier Landrut aufgetaucht sind, stand diese Frage auch ganz schnell im öffentlichen Raum. Obwohl die Fotos auf einem gesicherten Computer in einem abgeschlossenen Auto lagen. Das Auto wurde aufgebrochen und der Computer geklaut. Trotzdem wurde Lena als Täter und nicht Opfer durch die Medien getrieben, die Rollen über Opfer und Täter sind tatsächlich noch immer falsch in der Gesellschaft positioniert.


Stuart: Die Gesellschaft ächtet es, obwohl Deine Studie ja zeigt, Sexting ist keine Seltenheit.  31,4 % der Befragten innerhalb Deiner Studie senden mehrmals im Monat Text, Bilder und/oder Videos mit sexuellem Inhalt. Wie kann ich mich vor Missbrauch schützen, Thema Safer Sexting.  


Andreas: Meine Top 3 sind: Sexting sollte immer einvernehmlich passieren, belästigt nicht einfach Menschen mit Nacktfotos. Es sollte nichts auf dem Material zu sehen sein, was euch wiedererkennen lässt. Lasst das Gesicht raus, Max Kruse wurde zum Beispiel anhand seiner Tattoos am Unterarm erkannt. Und 3. Sexting mit einer vertrauensvollen Person. 


Stuart: Spannender Fakt, besonders bi- und homosexuelle männliche Jugendliche beteiligen sich signifikant häufiger am Sexting als gleichaltrig Heterosexuelle. Warum? 


Andreas: In meinen Vorabrecherchen hatte ich bereits gelesen, dass Bi- und Homosexuelle eher eine kleine narzisstische Veranlagung haben und aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich sagen, dass Bi- und Homosexuelle in ihrer gesamten Entwicklung viel mehr mit ihrer eignen Sexualität konfrontiert werden. Dazu gehört, das frühe Feststellen, dass in der eigenen sexuellen Entwicklung etwas anders läuft, als beim großen anderen Rest im eigenen Umfeld. Ich wurde schon früh als Schwuchtel gedisst und bei der Suche nach der eignen sexuellen Identität kann „Safer Sexting“ hier sehr gut helfen, um sich selbst zu finden. 



Andreas Klein studiert im Master Intermedia mit Schwerpunkt Medienpsychologie und arbeitet nebenbei als Projektmanager im Bereich Gender & Diversity Management an der Universität zu Köln.

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