How to stay safe and proud: 6 Tipps, mit denen ihr euch und andere beim CSD schützen könnt

Es ist Sommer, die Pride-Saison ist endlich wieder da! Überall in Deutschland und auf der ganzen Welt gehen queere Menschen im Rahmen des CSD auf die Straße, um zu feiern, zu protestieren und um einfach nur sie selbst sein zu können. Flaggen werden offen gezeigt und niemand muss sich verstecken. Doch leider gibt es nach wie vor Menschen, die das nicht nur stört, sondern die anderen aktiv schaden wollen. Deswegen ist es unglaublich wichtig für alle, auf die eigene Sicherheit und die Sicherheit queerer Mitmenschen zu achten. Hier sind 6 Tipps, mit denen ihr sicher durch die Pride-Saison kommt!


Angriffe auf CSDs


Hast du manchmal Angst, dein Queer-Sein offen zu zeigen, auch auf dem CSD? Das ist gut nachzuvollziehen und deine Sorge ist absolut berechtigt. Queerfeindliche Gewalt passiert und sie mehrt sich. Beim CSD in Münster 2022 wurde der 17-jährige trans Mann Malte C. von einem Mann totgeschlagen, nachdem er andere Teilnehmende vor genau diesem Mann schützte.


Auch die Pride-Saison 2023 beginnt mit Schlagzeilen, die ein ungutes Gefühl auslösen. Nach dem CSD in Hannover wurde erneut ein 17-jähriger trans Mann angegriffen und verletzt. Offenbar gab es während der Parade mehrere queerfeindliche Angriffe gegen verschiedene Teilnehmende. Es gibt noch mehr Berichte von Angriffen aus Wiesbaden, Karlsruhe und Reutlingen. In Wien haben drei Männer mutmaßlich einen Terroranschlag auf den CSD geplant, der von der Polizei zum Glück im Vorfeld verhindert werden konnte.


Mut machen


All diese Nachrichten machen Angst. Wenn du dich deswegen unwohl fühlst und die Pride-Parade lieber ausfallen lassen möchtest, ist das vollkommen in Ordnung. Aber wir möchten uns und euch Mut machen. Denn genau diese Gewalt ist neben vielen anderen Dingen der Grund, warum wir Pride-Veranstaltungen so dringend brauchen. Alle Queers und Allies müssen gemeinsam als Community zeigen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen und sich dabei gegenseitig unterstützen.

1. Sei respektvoll


An erster Stelle muss betont werden, dass die Schuld grundsätzlich bei den Tätern liegt. Auch wenn man die Ratschläge aus diesem Beitrag nicht beachtet, liegt darin keine Legitimation für Gewalt gegen einzelne Personen. Diese Liste ist vor allem dazu da, Teilnehmer:innen des CSDs Tipps mitzugeben, um sich selbst sicherer zu fühlen und anderen zu helfen. Victim Blaming ist ein No-Go.

Deswegen gilt auf dem CSD auch: Behandle die Menschen um dich herum respektvoll, schließe Menschen nicht grundlos aus und respektiere Grenzen.


2. Bereite dich vor


Informiere dich darüber, was dich erwartet! Ist das dein erstes Mal auf einem CSD? Dann schau dir im Voraus an, wer dort sein wird und wie es in deiner Stadt aussieht. Nicht jeder Mensch kann gut mit großen Menschenmengen, Paraden und Demos umgehen. Bereite dich vor, falls du Angst hast, überrascht zu werden. Auch Freizügigkeit und Fetische sind ein Teil des CSD. Wenn du dich damit unwohl fühlst (no judgement), kannst du bereits zuvor planen, wie du am besten damit umgehst und dem gegebenenfalls aus dem Weg gehst.

Ebenfalls kannst du dich über die Veranstalter:innen, Routen, Regeln, gegebenenfalls Sanitäter:innen und das Sicherheitskonzept informieren. So weißt du besser, was auf dich zukommt und kennst deine Ressourcen!


3. Never walk alone


Um Sicherheit beim CSD zu gewährleisten, ist es unglaublich wichtig, aufeinander aufzupassen. Und auch wenn jede Person grundsätzlich auf die Menschen um uns aufpassen sollte, ist es deutlich sicherer, wenn du mit Menschen unterwegs bist, denen du vertraust, die dich kennen und die dich vermissen, sobald du verschwinden solltest. Das gilt während der Parade, davor und auch danach (mehr dazu bei Punkt 5). Geh also entweder mit deinen queeren Freund:innen und Allies zusammen oder, wenn das für dich keine Option ist, melde dich bei den Veranstalter:innen und vernetze dich so mit einer anderen Gruppe. Es kann auch sehr hilfreich sein, deinen Live-Standort zu teilen. Mit Freund:innen macht der CSD sowieso nochmal viel mehr Spaß!


4. Bleib nüchtern und hab einen klaren Kopf


Auf dem CSD wird sehr gerne, vor allem Alkohol, konsumiert. Drogen und Alkohol beeinträchtigen deine Wahrnehmung, dein Verhalten und dein Urteilsvermögen. Wenn du dich sicher fühlen möchtest, lass den Alkohol und alles andere am besten ganz weg. Dazu kommt, dass betrunkene Leute gerne mal den Spaß für sich selbst und auch für andere verderben.


Was ebenfalls dazu gehört, ist besser zuhause zu bleiben, wenn du dich zum Beispiel krank und nicht ganz klar in deinem Kopf fühlst. Genauso gilt: An einem sonnigen Tag eine Kopfbedeckung tragen und viel Wasser trinken, damit du keinen Sonnenstich oder einen Hitzschlag bekommst. Denke neben dem Wassertrinken daran, regelmäßig zu essen. Falls dir auffällt, dass dir während der Parade unwohl wird, wende dich an deine Begleitungen und Ordner:innen, sucht gemeinsam einen sicheren Ort auf oder fahre nach Hause, wenn es nicht besser wird.


5. An- und Abreise


Leider kannst du auch außerhalb der Parade selbst zum Opfer von Gewalt und Anfeindungen werden. Viele Menschen tragen beim CSD gerne besonders ausdrucksstarke Kleidung, haben Flaggen und Schilder dabei oder tragen Pride Make Up und Bemalungen. Das ist das, was den CSD so bunt macht! Sei dir aber bewusst, dass du vor allem außerhalb der Parade damit besonders herausstechen wirst und Menschen mit böswilligen Absichten auf dich aufmerksam werden können. Deswegen bleib wachsam und aufmerksam, wenn du zu Fuß gehst oder öffentliche Verkehrsmittel nutzt. Sei im besten Fall auch hier nicht alleine unterwegs. Teile deinen Standort mit Freund:innen oder deiner Familie. Falls du ein Auto hast, ist das unter Umständen die sicherere Option. Wenn du ganz sicher gehen möchtest: Habe ein großes T-Shirt zum Überziehen, eine Tasche für deine Flaggen und Schilder sowie Abschminktücher dabei. So traurig es auch klingt, Sicherheit geht manchmal vor.


6. Falls es brenzlig wird


Zum Ende hin müssen wir darüber sprechen, was zu tun ist, wenn es wirklich zu Provokationen, Hass oder sogar Gewalt in deiner unmittelbaren Umgebung kommt. Auch hier ist es wichtig, zuerst auf deine eigene Sicherheit zu achten. Wenn du selbst oder deine Gruppe provoziert wird, ist es wichtig, nicht darauf anzuspringen. Es ist nie eine gute Idee, dich selbst in Gefahr zu bringen. Baue Distanz auf, mache andere Leute aufmerksam und motiviere sie dazu, das Gleiche zu tun. Wende dich vor allem an Verantwortliche, also Ordner*innen und Veranstalter*innen. Diese sind auf solche Situationen vorbereitet und können deeskalieren. Das gilt auch, wenn du andere siehst, die betroffen sind. Suche nach Hilfe, schaffe Aufmerksamkeit und achte auf dich selbst und Menschen um dich herum!

Diese 6 Tipps sollen euch helfen, um auf dem CSD eine gute Zeit zu haben. Es gilt natürlich: Vieles kann, nicht alles muss. Am wichtigsten ist es, dass du dich persönlich sicher fühlst und auf andere achtest.

Passt auf euch auf und viel Spaß auf den CSDs!

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