Wir müssen über All-Male-Panels reden: Warum männlich dominierte Panels der Vergangenheit angehören sollten
Es handelt sich um ein globales Problem: Wichtige internationale Konferenzen und Events kranken an männlich dominierten Vorträgen und Panels. Deutschland steht besonders schlecht da.

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Es handelt sich um ein globales Problem: Wichtige internationale Konferenzen und Events kranken an männlich dominierten Vorträgen und Panels. Deutschland steht besonders schlecht da. Die STICKS & STONES, Europas größte LGBT+ Job- und Karrieremesse, will daraus eine Lehre ziehen.


Auf den Bühnen internationaler Konferenzen und Events klafft eine große Lücke zwischen den Geschlechtern.

Drei von vier Vorträgen werden von Männern gehalten. Selbst die politisch einflussreichsten Konferenzen in Europa scheitern daran, eine Balance zwischen den Redeanteilen herzustellen, so eine Studie der Open Society Foundations. Bei Themen wie Außenpolitik, Kriminalität oder Wirtschaft kommen Frauen fast gar nicht zu Wort. Mit einem weiblichen Anteil von durchschnittlich 16 Prozent rangiert Deutschland international besonders weit unten. Zurecht fordern viele ein Ende der sogenannten All-Male-Panels. Zum Beispiel Francis Collins im Jahr 2017.


Auch in der LGBT+ Community – so das englische Akronym für Lesben, Schwule, Bi, Trans und Inter Personen – gibt es diese Kluft. Wenn von Homosexuellen gesprochen wird, werden Lesben, bisexuelle Frauen und Transfrauen (LBT) meistens nur implizit mitgemeint. Selten treten diese sichtbar als Vortragende auf Konferenzen und Diskussionspodien in Erscheinung. Viele dulden diese Unsichtbarkeit, um Konflikte zu vermeiden. „Lesben raus!”, lautet daher die Forderung der Journalistin Stephanie Kuhnen.  


Auch bei der Planung der STICKS & STONES, Europas größter LGBT+ Job- und Karrieremesse, beschäftigt uns das Geschlechterverhältnis immer wieder.

Trotz unseres Diversity-Anspruchs sind wir vor Dysbalancen nicht gefeit. Bei der ersten Ausgabe vor zehn Jahren gab es unter 40 Speakern keine einzige Frau. Was unser Publikum betrifft, hatten wir zwischenzeitlich mehr weibliche als männliche Gäste. Diesen Sommer hatten wir wiederum nur 30 Prozent Besucherinnen. Wir haben daraus gelernt: Gender Equality entsteht nicht einfach von selbst, sondern muss kontinuierlich neu errungen werden.


Deswegen wollen wir im kommenden Jahr ein Zeichen für Visibility setzen. Das heißt die Vorträge auf der nächsten STICKS & STONES werden von LBT gehalten und von weiblichen Allies. Das sind Menschen, die selbst heterosexuell und cisgender sind, sich aber für die Ziele von LGBT+ einsetzen. Denn ohne Verbündete kommen wir in Fragen der Gleichstellung nicht voran. Für die zukünftigen Messen ab 2021 wollen wir uns standardmäßig an einem Verhältnis von 50:50 orientieren.


Wie netzwerke ich mit LinkedIn? Wie gehe ich mit Stresssituationen um? Wie verhandle ich mein Gehalt? Die Themen, die wir ansprechen werden, sind nach wie vor auf unsere Zielgruppe zugeschnitten und genderunabhängig. Sie betreffen ebenso die lesbische Chefin wie den schwulen Young Professional. 20 Prozent unserer Gäste auf der letzten Messe waren heterosexuell. Mit einem weiblichen Podium geht es wohlgemerkt nicht darum, Männer zu diskriminieren. Viele Männer haben uns das Feedback gegeben, dass es für sie keine Rolle spielt, welche Person vorträgt, da es um Inhalte geht.  


Am Ende profitieren alle Veranstaltungen von mehr Gender Diversity. Durch Offenheit, breitere Perspektiven, mehr Kreativität und Innovation. Dazu wollen wir ein Zeichen setzen und hoffen, dass weitere Konferenzen und Messen mitziehen. Noch sind wir auf der Suche nach Interessentinnen, die an unserem Vortragsprogramm mitwirken möchten. Beteiligt Ihr Euch an einem Ende der Manels?


Foto: Das Panel zur Gender Equality auf der zehnten STICKS & STONES im Mai 2019. © Caro Kadatz

von Marc Brunder, UHLALA Group

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