Wie du zum besseren Ally für trans* und non-binäre Personen wirst

Trans* Personen kämpfen tagtäglich für Anerkennung. Diskriminierung durch Gesetzgebungen, wie im Umgang mit ihren Mitmenschen und am Arbeitsplatz, sind leider viel zu oft Teil ihrer Lebenswelt. Umso wichtiger ist es, dass sich cis Personen dem Thema annehmen und lernen, trans* Personen zu empowern. Deshalb haben wir ein paar Tipps für dich, wie du zu einem besseren Ally wirst und im Alltag, trans* Personen supporten kannst.

Unsere Geschlechtsidentität ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Auch wenn wir selbst oft davon abgehalten werden, Labels zu verteilen, können sie im Fall unserer eigenen Persönlichkeit, Sexualität und Identität einen Anker bieten. Dieser kann uns dabei helfen, uns durch soziale Gegebenheiten zu navigieren und uns und andere besser zu verstehen.

Trans* Personen, also Menschen, die sich nicht mit dem ihnen zur Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren oder die eine binäre Geschlechtszuordnung ablehnen, leben oft mit der Erfahrung, dass ihr eigener Geschlechtsausdruck von dem differenziert, was die Gesellschaft wahrnimmt. Trans* Menschen kämpfen tagtäglich für Anerkennung. Leider werden sie viel zu oft, sei es durch die Gesetzgebung, oder im Umgang mit ihren Mitmenschen, Opfer von Diskriminierung. Gerade die Arbeitswelt ist davon nicht befreit. Trans* Personen werden bis heute benachteiligt. Umso wichtiger ist es, dass sich gerade auch cis Personen dem Thema annehmen und lernen, trans* Menschen zu unterstützen. 

Ally sein, ist ein fortlaufender Prozess. Wir möchten dir mit den folgenden Tipps helfen, ein besserer Ally zu werden. Dieser Artikel ersetzt natürlich keine regelmäßige Auseinandersetzung mit dem Thema. Wir möchten dir damit jedoch einen Ausgangspunkt geben, um mehr über Geschlechtsidentitäten zu erfahren.

Tipp 1: Verstehe die Grundlagen

Zunächst einmal zu den Grundlagen. Im englischsprachigen Raum, wird „sex“, das biologische Geschlecht, vom sozialen Geschlecht „Gender“ unterschieden. Gender lässt sich als Erfahrung unserer Geschlechtsidentität verstehen und ist nicht frei von sozialen wie auch kulturellen Erwartungen und Erfahrungen. Das macht Gender aber auch gerade wandelbar. Auch wenn wir oft von einem binären System mit männlichen und weiblichen Polen ausgehen, ist Gender als ein Spektrum, mit einer Vielzahl von Ausprägungen zu verstehen.

Die Genderexpression oder auch Geschlechtsausdruck umfasst den gesamten Habitus, also das gelebte Geschlecht. Es ist die Art und Weise, wie eine Person ihr Geschlecht ausdrückt und präsentiert und weniger, wie eine Person aussieht oder wie andere Menschen diesen Ausdruck und das Aussehen einordnen.  

Wir tendieren dazu, das Geschlecht einer Person nach diesem Ausdruck zu bewerten. Der Ausdruck der eigenen Geschlechtsidentität kann für Menschen unterschiedliche Formen annehmen. Sei es durch Kleidung, die Haare oder das Verhalten. Als Ally solltest du nicht auf deine Wahrnehmung pochen und die Geschlechtsidentität einer Person einfach so vermuten, nur weil sie deinem Bild von Gender entspricht.

Tipp 2: Verstehe das Vokabular

Manche Menschen empfinden Sicherheit in der Verwendung von Labels, anderen sind diese vielleicht auch komplett egal. Ein Verständnis über Begrifflichkeiten der trans* Community zu haben, ist dennoch wichtig. 

Cisgender

Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem ihnen zur Geburt zugeschriebenen Geschlecht übereinstimmt.

Trans*gender

Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht oder nicht vollständig mit dem nach der Geburt anhand der äußeren Merkmale im Geburtenregister eingetragenen Geschlecht übereinstimmt oder die eine binäre Geschlechtszuordnung ablehnen.

Nicht-binär

Menschen, deren Geschlechtsidentität und/oder -ausdruck, außerhalb des binären Verständnis von männlich-weiblich liegt.

Tipp 3: Achte auf die richtige Verwendung von Namen und Pronomen

Auch wenn es für dich ungewohnt sein sollte, eine bekannte Person plötzlich mit neuem Namen anzusprechen, nachdem sie sich geoutet hat, solltest du dir dabei jede Mühe geben. Denn die Bedeutung und der oft lange Weg, der hinter der Verwendung des Namens steht, ist für cis Personen oft nicht greifbar. 

Gerade bei jungen trans* Personen kann die Verwendung des richtigen Namens und Pronomen, Gefühle von Genderdisphorie, Depressionen und suizidalen Gedanken drastisch mindern.

Falls es dir jemals schwierig vorkommen sollte, ruf dir vor Augen, dass eine trans* Person mit den korrekten Namen und Pronomen anzusprechen das gleiche Maß an Respekt fordert, den wir selbst von den meisten Menschen erwarten. 

Du weißt nicht, wie eine Person angesprochen werden möchte? Dann frag sie ganz einfach. Wenn du dich selbst mit deinen Pronomen vorstellst, oder diese auf sozialen Plattformen teilst, schaffst du als cis Person für trans* Personen einen offenen Raum für ihren eigenen Ausdruck.

 

Manche trans* und nicht-binären Personen verwenden geschlechtsneutrale Neopronomen wie xier: 

  1. xier – ein Personalpronomen, anstelle von »sie« und »er«
  2. xieser – ein Possessivpronomen, anstelle von »ihr« und »sein« 
  3. dier – ein Artikel und ein Relativpronomen, anstelle von »die« und »der«

Andere hingegen verzichten ganz auf Pronomen, die auf eine Geschlechtsidentität hinweisen können. Das bedeutet, dass wenn wir über eine Person sprechen, die keine Pronomen verwendet, wir anstellen dieser ganz einfach ihren Namen verwenden.

Tipp 4: Habe Geduld

Eine Person, die ihre Geschlechtsidentität infrage stellt, kann sich hin und her bewegen, während sie herausfindet, welches Pronomen für sie richtig ist. Bleibe freundlich und respektvoll – dazu gehört auch, dass du ihre Namen, Pronomen und Grenzen respektierst. 

Tipp 5: Lerne aus deinen Fehlern

Lerne nicht einfach bestimmte Pronomen auswendig für Personen, sondern ändere in deinem Kopf, wie du die Person wahrnimmst. Misgendern tut deshalb so weh, weil es ein Spiegel davon ist, wie man die Person wahrnimmt.

Wenn du versehentlich missgendern solltest, mache keine große Sache daraus. Verbessere dein Satz and move on. Große Entschuldigen führen häufig dazu, dass sich die betroffenen Personen noch unwohler fühlen.

  

Tipp 6: Höre zu

Hören auf das, was trans* Personen zu sagen haben und nehme ihre Erfahrungen ernst. Sie sind die Expertinnen für ihr eigenes Leben und eine der wichtigsten Aufgaben eines Ally ist es, zuzuhören und anderen den Raum zu geben, zu sprechen.

Jede Person macht ihre eigenen Erfahrungen, deshalb ist es wichtig diese nicht zu verallgemeinern.

Tipp 7: Gehe nicht einfach davon aus, dass jemand trans* ist

Trans* Personen sehen nicht alle auf eine bestimmte Art und Weise aus, und viele scheinen nicht trans oder nicht-binär zu sein. Du solltest jemanden, den du kennst, nicht unter Druck setzen, dir zu sagen, ob sie trans* ist, oder einfach davon ausgehen.

Wenn sie wollen, dass du es weißt, werden sie es dir sagen. Es ist wichtig, dass du ihre Pronomen kennst, damit du sie richtig ansprechen kannst, aber ansonsten, sind sie es dir nicht schuldig, dir mehr Informationen zu geben, als sie es möchten.

Tipp 8: Wahre die Grenzen einer Person

Wenn dir jemand seine Geschlechtsidentität mitgeteilt hat, ist es nicht deine Aufgabe, erst recht nicht ohne die Zustimmung der Person, diese Information weiterzutragen. Das ist nicht nur ein Eingriff in die Privatsphäre, sondern kann auch Folgen, sowohl im eignen privaten, als auch beruflichen Umfeld, haben. Denn leider ist Akzeptanz, noch nicht überall gegeben.

Hat sich eine trans* Person dir gegenüber geöffnet, ist es dennoch mehr als unangebracht diese nach ihren Genitalien, chirurgischen Eingriffen oder auch Sexualleben zu befragen. Bleibe höflich und respektvoll.

Sei ein Ally

Nimm dir Zeit und lerne etwas über trans* Personen und tausche dich mit ihnen aus. Lerne deine eigenen Privilegien zu erkennen und stehe auch für die ein, die nicht über dieselben Privilegien verfügen. Toleriere keine Respektlosigkeit, egal ob es sich um verletzende Sprache, Bemerkungen oder Witze handelt, sagen Sie es, wenn es unangemessen ist.

Wir alle sind oft blind für unser eigenes Verhalten und wie dieses andere Menschen verletzen kann. Es ist wichtig, dass wir uns darüber bewusst werden und offener aufeinander zugehen. Versuche, deine eigenen Vorurteile zu hinterfragen und lerne von der Unterschiedlichkeit der Menschen in deinem Umfeld. 

 

Egal, ob am Arbeitsplatz oder im eigenen sozialen Umfeld: schärfe deinen Blick, bilde dich weiter. Schaffe ein offenes Umfeld, in dem sich Menschen wohlfühlen und ausdrücken können – und zwar genau so, wie sie sind.

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